(the cry) existentialism, art and humanities
a cry towards the absurd
search engine  °    site map  °    guestbook   °   @  
phenomenology  °   art   °   forums  °  chat  °  exquisite corpse  °  mail-list  

     (existentialism::Rainer Maria Rilke

   the authors
  kierkegaard    dostoevsky    allen    sartre    jaspers    camus   nietzsche    kafka    heidegger    descartes    de beauvoir    rilke

   the philosophy

- Definition
- Roots
- History
- Beyond
- Social and historical practices
- Further reading

- existentialism discussion board
-general philosophy discussion board

   best web sites

- Existentialism:
A Primer

- Realm of Existentialism
- Kierkegaard, Soren - D. Anthony Storm

- The Nietzsche Page
- Glossary of Existential Terms


  buy at Amazon

- Existentialism and Human Emotions Jean-Paul Sartre
-Marjorie Grene
Introduction to Existentialism
- Walter Kaufmann
From Shakespeare to Existentialism

-Martin Heidegger,
Being and Time (Sein und Zeit, 1927)

bibliography...


(the cry)is the home to the existentialism web-ring
Previous
Next
Random Site

List Sites

Join

Britannica.com



Existentialism
Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)
Duineser Elegien - die Vierte Elegie


Wait a minute, there's a snag somewhere; something disagreeable. Why, now, should it be disagreeable?...Ah,I see; it's life without a break. (Jean Paul Sartre - huis clos)

Rainer Maria Rilke
- Biography
- Images

- Links

- Works
- Quotes
- Discussion Board
on-line works at (the cry)


- You who never arrived
- Autumne
- Feder und Schwert
- Buddha
- Herbsttag

Duineser Elegien
- Die erste Elegie

- Die zweite Elegie
- Die dritte Elegie
- Die vierte Elegie
- Die fünfte Elegie
- Die sechste Elegie
- Die siebente Elegie
- Die achte Elegie
- Die neunte Elegie
- Die zehnte Elegie

Stunde Buch:
Das Buch vom moenchischen Leben
- Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
- Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
- Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden
Das Buch von der Pilgerschaft
- Dich wundert nicht des Sturmes Wucht
Das Buch von der Armut und vom Tode
- Vielleicht, daß ich durch schwere Berge gehe

O BäUME Lebens, o wann winterlich?
Wir sind nicht einig. Sind nicht wie die Zug-
vögel verständigt. Überholt und spät,
so drängen wir uns plötzlich Winden auf
und fallen ein auf teilnahmslosen Teich.
Blühn und verdorrn ist uns zugleich bewußt.
Und irgendwo gehn Löwen noch und wissen,
solang sie herrlich sind, von keiner Ohnmacht.

Uns aber, wo wir Eines meinen, ganz,
ist schon des andern Aufwand fühlbar. Feindschaft
ist uns das Nächste. Treten Liebende
nicht immerfort an Ränder, eins im andern,
die sich versprachen Weite, Jagd und Heimat.
    Da wird für eines Augenblickes Zeichnung
ein Grund von Gegenteil bereitet, mühsam,
daß wir sie sähen; denn man ist sehr deutlich
mit uns. Wir kennen den Kontur
des Fühlens nicht: nur, was ihn formt von außen.
    Wer saß nicht bang vor seines Herzens Vorhang?
Der schlug sich auf: die Szenerie war Abschied.
Leicht zu verstehen. Der bekannte Garten,
und schwankte leise: dann erst kam der Tänzer.
Nicht der. Genug! Und wenn er auch so leicht tut,
er ist verkleidet und er wird ein Bürger
und geht durch seine Küche in die Wohnung.
    Ich will nicht diese halbgefüllten Masken,
lieber die Puppe. Die ist voll. Ich will
den Balg aushalten und den Draht und ihr
Gesicht und Aussehn. Hier. Ich bin davor.
Wenn auch die Lampen ausgehn, wenn mir auch
gesagt wird: Nichts mehr -, wenn auch von der Bühne
das Leere herkommt mit dem grauen Luftzug,
wenn auch von meinen stillen Vorfahrn keiner
mehr mit mir dasitzt, keine Frau, sogar
der Knabe nicht mehr mit dem braunen Schielaug:
Ich bleibe dennoch. Es giebt immer Zuschaun.

Hab ich nicht recht? Du, der um mich so bitter
das Leben schmeckte, meines kostend, Vater,
den ersten trüben Aufguß meines Müssens,
da ich heranwuchs, immer wieder kostend
und, mit dem Nachgeschmack so fremder Zukunft
beschäftigt, prüftest mein beschlagnes Aufschaun, -
der du, mein Vater, seit du tot bist, oft
in meiner Hoffnung, innen in mir, Angst hast,
und Gleichmut, wie ihn Tote haben, Reiche
von Gleichmut, aufgiebst für mein bißchen Schicksal,
hab ich nicht recht? Und ihr, hab ich nicht recht,
die ihr mich liebtet für den kleinen Anfang
Liebe zu euch, von dem ich immer abkam,
weil mir der Raum in eurem Angesicht,
da ich ihn liebte, überging in Weltraum,
in dem ihr nicht mehr wart . . . .: wenn mir zumut ist,
zu warten vor der Puppenbühne, nein,
so völlig hinzuschaun, daß, um mein Schauen
am Ende aufzuwiegen, dort als Spieler
ein Engel hinmuß, der die Bälge hochreißt.
Engel und Puppe: dann ist endlich Schauspiel.
Dann kommt zusammen, was wir immerfort
entzwein, indem wir da sind. Dann entsteht
aus unsern Jahreszeiten erst der Umkreis
des ganzen Wandelns. über uns hinüber
spielt dann der Engel. Sieh, die Sterbenden,
sollten sie nicht vermuten, wie voll Vorwand
das alles ist, was wir hier leisten. Alles
ist nicht es selbst. O Stunden in de Kindheit,
da hinter den Figuren mehr als nur
Vergangnes war und vor uns nicht die Zukunft.
Wir wuchsen freilich und wir drängten manchmal,
bald groß zu werden, denen halb zulieb,
die andres nicht mehr hatten, als das Großsein.
Und waren doch, in unserem Alleingehn,
mit Dauerndem vergnügt und standen da
im Zwischenraume zwischen Welt und Spielzeug,
an einer Stelle, die seit Anbeginn
gegründet war für einen reinen Vorgang.

Wer zeigt ein Kind, so wie es steht? Wer stellt
es ins Gestirn und giebt das Maß des Abstands
ihm in die Hand? Wer macht den Kindertod
aus grauem Brot, das hart wird, - oder läßt
ihn drin im runden Mund, so wie den Gröps
von einem schönen Apfel? . . . . . . Mörder sind
leicht einzusehen. Aber dies: den Tod,
den ganzen Tod, noch vor dem Leben so
sanft zu enthalten und nicht bös zu sein,
ist unbeschreiblich.

 


Ce qu'on fait n'est jamais compris mais seulement loué ou blâmé. Nietzsche, Gay Science

_____________________________________________________
(the cry)  °  phenomenology ° art  °  forums  °  chat °  exquisite corpse  °  mail-list   °   search engine  °   site map  °   guestbook   °   @