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Existentialism
Franz Kafka (1883 - 1924)
Von de Gleichnissen |
Du
hast mich letzthin einmal gefragt, warum ich behaupte,
ich hätte Furcht vor Dir |
Viele
beklagen sich, dass die Worte der Weisen immer wieder nur
Gleichnisse seien, aber unverwendbar im taeglichen Leben,
und nur dieses allein haben wir. Wenn der Weise sagt: "Gehe
hinueber," so meint er nicht, dass man auf die andere Seite
hinueber gehen solle, was man immerhin noch leisten koennte,
wenn das Ergebnis des Weges wert waere, sondern er meint irgendein
sagen- haftes Drueben, etwas, das wir nicht kennen, das auch
von ihm nicht naeher zu bezeichnen ist und das uns also hier
gar nichts helfen kann. Alle diese Gleichnisse wollen eigentlich
nur sagen, dass das Unfassbare un- fassbar ist, und das haben
wir gewusst. Aber das, womit wir uns jeden Tag abmuehen, sind
andere Dinge. Darauf sagte einer: "Warum wehrt ihr euch? Wuer-
det ihr den Gleichnissen folgen, dann waeret ihr selbst Gleichnisse
geworden und damit schon der taeglichen Muehe frei." Ein anderer
sagte: "Ich wette, dass auch das ein Gleichnis ist." Der erste
sagte: "Du hast gewonnen." Der zweite sagte: "Aber leider
nur im Gleichnis." Der erste sagte: "Nein, in Wirklichkeit;
im Gleichnis hast du verloren."
Ce
qu'on fait n'est jamais compris mais seulement loué ou blâmé.
Nietzsche, Gay Science |
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